Glückliche Beziehungen brauchen ganze Menschen

2020-07-22T11:10:09+02:00

Warum ich nicht möchte, dass mein Mann meine bessere Hälfte ist.

Kürzlich habe ich einem Gespräch gelauscht. Eine Frau stellte ihren Partner mit den Worten vor: „Das ist Tim, meine bessere Hälfte.“

Ups, dachte ich! Ich möchte nicht, dass mein Mann meine bessere Hälfte ist.

Warum?

> Weil er mich dann erst zu einem vollständigen und besseren Menschen machen würde. Und ich möchte, dass wir uns auch ohne den anderen vollständig und ganz fühlen können und dürfen.

> Weil er dann immer besser als ich sein muss. Wäre er das nicht, würde ich mich selbst automatisch schlecht fühlen. Dann bin ich weniger wert und gebe ihm automatisch die Schuld daran.

> Weil ich damit die Verantwortung für mich, für mein SEIN in der Beziehung, nur zu 50% übernehme. Funktionierende Paarbeziehungen brauchen aber zwei Menschen, die sich zu 100% für die Partnerschaft verantwortlich fühlen.

> Weil Nähe Abstand braucht.

> Weil ich einen ganzen Mann will: mit all seinen Kanten und Macken.

Und natürlich weil „das Bessere des Guten Feind ist!“

Worte sind mächtig

Wir sagen oft Dinge, die ganz harmlos klingen. Wir denken auch nicht weiter darüber nach. Besonders dann, wenn es sich um solche Floskeln handelt, wie eben, dass unsere Partner unsere bessere Hälfte sind. Vordergründig wollen wir damit erstmal nur sagen, dass sie/er der Mensch ist, mit dem wir zusammen sind. Doch bei genauerem Hinsehen steckt einiges an Sprengstoff darin.

Denn Worte werden zu unseren Gedanken und unsere Gedanken zu unseren Gefühlen. Unsere Gefühle werden zu unseren Handlungen und unsere Handlungen zu unserem Erleben. Das geht blitzschnell und ohne, dass es uns bewusst ist.

Zwei Halbe ergeben kein Ganzes

Wenn wir glauben, unsere Partner seien unsere bessere Hälfte, dann macht das etwas mit uns und unserer Beziehung. Denn streng logisch betrachtet bedeutet es, dass ich dann nur halb bin ohne sie/ihn. Unbewusst machen wir uns selbst und unseren Partner so zu einem halben Menschen.
Stellen Sie sich vor, Sie hätten nur ein Bein. Und dann kommt einer, der hat auch nur ein Bein. Gemeinsam kommen Sie viel besser voran. Doch was passiert, wenn einer mal etwas langsamer gehen möchte oder rechts statt links. Plötzlich stört das zweite Bein. Auf unsere Beziehung übersetzt heißt das, dass der andere Schuld ist, wenn etwas nicht mehr gut läuft. Enttäuschungen und Streit sind so vorprogrammiert.

Wir alle sehnen uns in unseren Beziehung danach, vollständig zu sein. Unbewusst wünschen wir uns, dass unsere Partner bessere Menschen aus uns machen. Wir wollen, dass sie uns ergänzen. Gleichzeitig möchten wir, dass sie genauso sind wie wir und uns dadurch selbst bestätigen. Das scheint ein Widerspruch zu sein. Doch wenn wir uns dessen bewusst werden, kann unsere Partnerschaft uns genau das geben. Aber eben nur dann, wenn wir mit beiden Beinen im Leben stehen. Wenn wir wissen, wo uns etwas fehlt, wenn wir uns klar darüber sind, was wir uns vom anderen wünschen, dann wird aus Zweien ein Ganzes. Erst dann wird eine Partnerschaft zu einem Raum, in dem sich jeder entwickeln und vollständig werden kann.

Hilfreich ist es, sich zum Beispiel zu fragen: Warum habe ich mich für diesen Partner entschieden? Wo ergänzen wir uns? Wo unterscheiden wir uns? Welche Werte sind mir wichtig und welche lebe ich in meiner Partnerschaft? Wie zeigt sich das? Was tut oder kann mein Partner, das ich nicht auslebe? Was kann ich von ihm lernen, was er von mir?

Wenn wir also stolpern in unseren Beziehungen, wir etwas vermissen oder uns etwas nicht gefällt, ist das immer eine Chance zu wachsen. Denn es sagt uns etwas über unsere tiefen Sehnsüchte und Bedürfnisse. Dann können wir – um im Bild zu bleiben – unser fehlendes Bein sehen. Wir müssen nicht mehr dem anderen die Schuld geben, sondern können selbst dafür sorgen, dass wir in unseren Partnerschaften erleben, wonach wir uns sehnen.

Sollten Sie Fragen zu Ihrer „Besseren Hälfte“ haben oder sich mehr Klarheit über Ihre Partnerschaft wünschen, schreiben Sie mir gern unter: mail@ute-hofmann-coaching.de oder vereinbaren Sie einen Termin.

Herzliche & „Ganze“ Grüße

Ute Hofmann

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